Die Phase der Vorbereitung (wenn man so will: des Erlernens der Methode) dauert etwa eine Viertelstunde. Dabei ist es unerheblich, ob Du zuvor schon einmal Klavier gespielt hast.
Melodien
- Lege die Hände in den Schoß. Schau zum Horizont und lass die Gedanken abschweifen. Hebe dann beide Hände über die Tastatur und leg sie sanft irgendwo auf den Tasten ab, ohne hinzuschauen. Schau weiter zum Horizont. Mach eine schöne Pause, ohne nachzudenken. Bring jetzt die Tasten zum Klingen, auf denen deine Finger schon lagen, ohne mit den Augen irgendetwas zu kontrollieren. Lass dich einfach vom Klang überraschen. Horche. Gefällt dir, was Du hörst? Wenn Du magst, wiederhole den Vorgang und freu dich auf den nächsten unerwarteten Klang.
- Lass nun die linke Hand erstmal Pause machen. Die Rechte hingegen darf jetzt mal ein paar Tonfolgen ausprobieren. Spiel nicht zu viel auf einmal, vielleicht so um die vier Töne für den Anfang. Vielleicht ist ja gleich zu Anfang eine dabei, die dir gut gefällt?
- Musik lebt – auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick unglaubwürdig klingt – von Wiederholungen. Daher ist es gut, wenn Du eine Tonfolge, die dir gut gefällt, einfach mal wiederholst.
- Du kannst auch, während Du deine Tonfolge wiederholst, den Rhythmus ein wenig verändern und schauen, wie´s dir gefällt. Der Zuhörer wird auch dann noch deine Tonfolge wiedererkennen. Und jeder mag es, wenn er in Musik was wiedererkennt!
- Eine andere Möglichkeit ist, deine Hand an eine andere Stelle der Tastatur zu legen und die Finger nochmal genau in der Reihenfolge Tasten spielen zu lassen, wie zuvor bei der Tonfolge, die dir gut gefallen hat. Dann erklingt die fast gleiche Melodie, nur etwas höher oder etwas tiefer. Probier‘ aus, was davon dir gefällt.
- Wenn Du magst, hör dir mal Beethovens Fünfte Symphonie an. (Ta-ta-ta-Taaaa…). Die besteht in großen Teilen bloß aus derselben Tonfolge in verschiedenen Höhenlagen…
- Was Du auch mal probieren kannst: Wenn dir eine Tonfolge im wahrsten Sinne schiefgegangen ist – also irgendwie schräg klingt – überzeuge etwaige Zuhörer einfach, dass Du´s so gewollt hattest, indem Du die danebengegangenen Töne einfach ebenfalls wiederholst. Das überzeugt jeden.
- Du hast ja auch noch eine linke Hand. Die darf nun ein bisschen helfen, aber ohne, dass gleich Stress mit der Koordination aufkommt. Lass sie einfach zu dem, was die rechte Hand macht, jeweils auf der ersten Zählzeit einen langen Ton machen. Auch diesen wählst Du einfach zufällig aus und lässt dann auf dich wirken, ob Du den Zusammenklang schön fandest oder ob Du lieber einen anderen hättest.
Zusammenklänge
Wenn Du mit einer Hand mehrere Tasten anschlagen möchtest, gilt: Töne, die direkt nebeneinander liegen, klingen zusammen recht unharmonisch. Wenn Du also solche Klänge erzeugen möchtest, weißt Du jetzt wie, es geht. Solche Klänge sind gut geeignet, um mal ein bisschen Ärger rauszulassen oder wenn Du die Musik zu einem spannenden Film machen möchtest. Maximal Dissonante Klänge bekommst du, wenn du einfach mit der flachen Hand alle Tasten herunterdrückst, die unter die Hand passen.
Etwas weiter auseinander liegende Töne klingen harmonischer miteinander. Sehr harmonisch wird der Klang, wenn Du nur weiße Tasten benutzt und zwischen den Tönen, die Du spielst, je eine Taste frei lässt. Also zum Beispiel Daumen auf eine weiße Taste, daneben eine leere (weiße) Taste, daneben den Mittelfinger, daneben eine leere Taste, daneben den Ringfinger. Probier´s aus!
Derartiges improvisieren am Klavier ist ein wenig wie asiatische Sand-Bilder: schon kurze Zeit nach der Entstehung sind die Klänge dahin – was oft schade sein kann. Andererseits macht gerade das den Reiz aus: ganz im hier und jetzt, nicht auf Effizienz geeicht, sondern nur aufs Erleben dessen, was unter den eigenen Händen entsteht.
Die Qualität des musikalischen Tuns darf dabei stets im Hintergrund bleiben. Selbstverständlich freuen wir uns, wenn etwas schön gelingt. Wir sind befriedigt, wenn wir erkennen, dass wir etwas gut können. Wir sind stolz, wenn wir ein bestimmtes Stück am Klavier spielen können. Aber: viele Musiker, Künstler, Handwerker beziehen auf diese Weise zwar Befriedigung, stellen sich aber nie die Frage, WOZU sie es eigentlich besonders gut machen wollen. Für Dich ist der Grund klar:
Freude.
Für diesen Moment.